Der Krieg findet auch im digitalen Bereich statt.
Noch vor der Invasion Russlands in die Ukraine fanden systematische Cyberangriffe auf ukrainische Systeme statt. Ziel waren Router, Stromnetze sowie Ministerien- und Behördenwebseiten. Am Tag vor Kriegsbeginn registrierte das IT-Sicherheitsunternehmen ESET in der Ukraine zahlreiche „Wiper“-Attacken, die das Löschen von Festplatten bezwecken.
Seit Beginn der militärischen Angriffe auf die Ukraine bewertet das BSI die IT-Bedrohungslage in Deutschland als „erhöht“ und ruft Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) und Unternehmen zu einer erhöhten Wachsamkeit und Reaktionsbereitschaft auf. Neben einer steigenden Zahl von Phishing-Mails mit Bezug zum Krieg in der Ukraine verzeichnen IT-Experten derzeit zunehmende Scanning-Aktivitäten auf Schwachstellen und Systeme.
Auch in der Bevölkerung wächst die Angst vor einem Cyberkrieg gegen Deutschland, wie eine repräsentative
Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt. Drei Viertel der Deutschen fürchten eine digitale Eskalation als Reaktion auf die westlichen Sanktionen gegen Russland.
Kaspersky: Vom Sicherheitswächter zum Sicherheitsrisiko
Der Virenschutz von Kaspersky ist weit verbreitet und war in Deutschland lange Zeit das beliebteste Schutzprogramm. Laut Angaben des Unternehmens auf seiner Webseite nutzen über 400 Millionen Menschen die russische Software; weltweit ist sie in 240.000 Unternehmen im Einsatz.
Eben diese weite Verbreitung macht die aktuelle Situation besonders brisant. Vor allem Unternehmen sowie Behörden mit besonderen Sicherheitsinteressen und Betreiber Kritischer Infrastrukturen gelten laut BSI als „in besonderem Maße“ gefährdet. Denn theoretisch könnte die Sicherheitssoftware von Kaspersky dazu benutzt werden, die Nutzer auszuspionieren, Daten zu manipulieren und im schlimmsten Fall die gesamte Produktion von Unternehmen lahmzulegen.
In einem
offenen Brief verwahrt sich Kaspersky gegen die Empfehlung des BSI, doch das Risiko eines Missbrauchs der Software ist nicht von der Hand zu weisen. Das bestätigte auch das Verwaltungsgericht Köln, das Anfang April einen Eilantrag von Kaspersky ablehnte. Darin forderte der russische IT-Hersteller die Unterlassung und den Widerruf der Warnung durch das BSI. Das Gericht befand jedoch, dass vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges nicht auszuschließen sei, dass die technischen Möglichkeiten der Virenschutzsoftware für Cyberangriffe auch auf deutsche Ziele missbraucht würden. Mittlerweile hat Kaspersky Beschwerde beim nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht eingereicht.
Mit der offiziellen Warnung des BSI vor dem Einsatz des Programms stehen viele Nutzer nun vor der Frage, welche Alternativen es gibt.