Kommunikation in der Krise
Worauf es nach einer Cyberattacke ankommt
30.06.2023 | Die
Bedrohung durch Cyberattacken ist allgegenwärtig, das Risiko, selbst Opfer eines Angriffs zu werden, extrem hoch. Aus diesem Grund
investieren Unternehmen seit Jahren gezielt in ihre IT-Security – allein 2022 beliefen sich die
Ausgaben für Produkte und Services aus dem Bereich IT-Sicherheit laut dem Digitalverband Bitkom auf rund 7,8 Milliarden Euro. Für 2023 erwarten die Experten noch einmal ein weiteres Plus von 10 Prozent.
Ein
effektiver Schutz vor Cyberattacken besteht jedoch nicht nur aus präventiven Maßnahmen, sondern beinhaltet ebenso
Handlungsempfehlungen für den Ernstfall. Neben einem konkreten
IT-Notfallplan (Wer macht was zu welchem Zeitpunkt?) sollte jedes Unternehmen auch eine klare Kommunikationsstrategie bereithalten.
Doch welche sind die Dos & Don'ts der Krisenkommunikation und was sollten Unternehmen nach einem Cyber Incident beachten, um einen schwerwiegenden Imageschaden zu vermeiden?
Krisenkommunikation: Der richtige Zeitpunkt
Ist eine Cyberattacke erst einmal entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse. Innerhalb kürzester Zeit müssen zahlreiche wichtige Entscheidungen getroffen werden, es zählt jede Minute. Neben der Begrenzung des Schadens innerhalb der IT-Systeme stehen Unternehmen nun vor der unbequemen Aufgabe, die Betroffenen (Mitarbeitende und Kunden) über den Vorfall in Kenntnis zu setzen.
Dass hierbei der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle spielt, beweist der
Cyberangriff auf den IT-Dienstleister Adesso, der Anfang Januar entdeckt wurde. Statt seine Kunden – darunter auch Betreiber kritischer Infrastrukturen, das Bundeskriminalamt sowie die Bundesbank – über den Hack zu informieren, schwieg das Unternehmen.
Publik wurde der Angriff erst über 1 Woche später durch einen Whistleblower, der neben
mehreren Medien auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Kenntnis setzte. Adessos Kunden erfuhren durch die öffentliche Berichterstattung von all dem.
Krisenkommunikation? Fehlanzeige!
Krisenkommunikation in der Praxis
Nicht ob, sondern wann Unternehmen Opfer einer Cyberattacke werden, lautet die entscheidende Frage. Deshalb müssen sich Unternehmen unbedingt für den Fall der Fälle wappnen – auch, was ihre Strategie hinsichtlich der Krisenkommunikation betrifft. Wie der Fall von Adesso zeigt, ist Schweigen keine Lösung. Der Schaden, den die zu spät kommunizierte Cyberattacke dem Ruf des Unternehmens zugefügt hat, ist zwar schwer zu messen, aber nicht von der Hand zu weisen.
Dass es auch anders geht, bewiesen die Badischen Stahlwerke in Kehl nach einem Hackerangriff im April. Bereits kurz nach Aufdeckung des Vorfalls informierten sie neben den Behörden auch die Öffentlichkeit. Auf seiner Homepage veröffentlichte das Unternehmen eine kurze Stellungnahme, die einen "unautorisierten Zugriff" bestätigte und die eingeleiteten Maßnahmen zusammenfasste. Kurz und knapp, reduziert auf das Wesentliche.
Bei einem Cyber Incident ist es essenziell wichtig, frühzeitig mit allen Betroffenen zu kommunizieren, um die Integrität zu wahren und nicht das Kundenvertrauen zu verlieren. Denn wer von Anfang an derartige Vorfälle transparent kommuniziert, stößt in der Öffentlichkeit weitestgehend auf Verständnis. Schließlich kann es jeden treffen.
Doch Transparenz bedeutet nicht zwangsläufig, jeden Schritt nach außen zu tragen und sämtliche Details offenzulegen. Vielmehr geht es bei einer transparenten Krisenkommunikation darum, zielgerichtet relevante Informationen an die jeweiligen Ansprechpartner zu kommunizieren.